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Zecken-Borreliose vermeiden – erkennen

2018 überabeiteter Patientenratgeber des Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V.
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Zecken-Borreliose

www.patienten-bibliothek.de
info@patienten-bibliothek.de
Auflage 8 / 2018
Bildnachweis: Fischer + Siegmund, Frank Sander, Deckblatt Kassandra/Pixelio,
Seite 4 (Vogel) Miroslaw/Pixelio, Seite 5 (Kind) Telemarco/Pixelio
Seite 6 (Waldbild) gugg/Pixelio, Seite 6 (Zeckenzyklus) www.zecken.de
Seite 7 + RS (Zeckenentfernung) www.zecken.de, Seite 8 (Zehen) Schemmi/Pixelio
Seite 12 (Infusion), RS (Impfbuch) Claudia35/Pixelio, Seite 12 (Walking) jürgen heimerl/Pixelio


Dr.-Breinlinger-8717c-480x640-Presse-201x300 Zecken-Borreliose vermeiden - erkennenLiebe Leserinnen und Leser,
Stiche von Zecken sind nicht harmlos. Die kaum sichtbaren Parasiten sind viel kleiner, als sie in Zeitschriften abgebildet sind. 80 Prozent der am Menschen gefundenen
Zecken sind Nymphen. Die Teenager unter den Zecken sind nur einen winzigen Millimeter groß; ein Punkt, ein Grind, den man leichtfertig abkratzt. Doch der Punkt hat als noch kleinere Larve sechs oder als Nymphe acht Beine und einen Stechapparat.

Zecken übertragen verschiedene unangenehme Krankheiten. Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) man kann sich impfen lassen. Irrtümlicherweise wird diese Impfung „Zeckenschutz-Impfung“ genannt. Sie schützt aber wirklich nur vor FSME und nicht vor anderen Infektionen, auch nicht vor Borreliose.

Ebenfalls irrtümlich werden die roten Risikogebiete in der FSME-Landkarte als Verbreitungsgebiete der Zecken deklariert und die nicht-roten als zeckenfreie Zonen. Das ist falsch. Zecken gibt es überall in Europa und auf der gesamten nördlichen Erdkugel mit gemäßigten Zonen. Zugvögel verbreiten sie zudem auf allen Kontinenten.

Zecken halten keinen Winterschlaf und erfrieren auch nicht in kalten Wintern. Ab sieben Grad Celsius sind sie putzmunter, egal ob Dezember oder März, ob am Mittelmeer oder auf den Kanaren. Manchmal entdeckt man sie sogar unter dem Weihnachtsbaum.

Panik ist trotzdem nicht angebracht. Auch wenn Arzt, Ärztin, Patient und Patientin für die Diagnose manchmal Umwege gehen müssen, existieren in den ersten vier Wochen gute Heilungschancen mit Antibiotika. Die beste Prophylaxe jedoch ist das Absuchen, wenn man sich im Grünen aufgehalten hat. Je kürzer die Zecke gesaugt hat, umso unwahrscheinlicher ist eine Infektion.

Wir machen Sie schlau, wie Sie einer Borreliose entgehen können.
Ihre
Dr. jur. Astrid Breinlinger
Vorsitzende des Borreliose und FSME Bund Deutschland


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Vögel verbreiten Zecken flächendeckend

Zeckenstiche können verschiedene Krankheiten am Menschen auslösen. Am bekanntesten ist die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), meist auch als eine Form von Borreliose wird durch Bakterien ausgelöst, den so genannten Borrelien. Das natürliche Reservoir der Borrelien sind Mäuse, Ratten und andere Tiere. Saugende Zecken übernehmen die Bakterien und reichen sie bei ihrer nächsten Blutmahlzeit weiter, an Vierbeiner, Vögel, Menschen.

Es gibt in Europa mindestens vier verschiedene Borrelienspezies, die unterschiedliche Krankheitsausprägungen auslösen können. Vieles davon ist wissenschaftlich jedoch noch ungeklärt. Borrelien sind sog. Schraubenbakterien und eng verwandt mit den Erregern der Syphillis. Ebenso wie diese sind sie fähig zu eigener Bewegung, können sich selbständig in jedem Körpergewebe fortbewegen und sind im Blut nur kurz anzutreffen. Bekannt ist, dass sie sich so verändern können, dass sie für die üblichen Antibiotika nur noch schwer angreifbar werden. Sie können auch über längere Zeit im Körper „schlummern“ und zum Beispiel dann aktiv werden, wenn das Immunsystem des Betroffenen sowieso geschwächt ist.

Neben Borrelien können Zecken auch eine Reihe von ebenfalls gefährlichen Keimen übertragen, die zum Teil jedoch auch noch nicht ausreichend erforscht sind. Der bekannteste ist der Frühsommerencephalomeningitis–Virus, kurz FSME-Virus. Andere sind z.B. Rikettsien oder Bartonellen. Nur gegen FSME kann man sich impfen lassen.

Zecken fallen nicht von Bäumen

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Bei Kindern stecken Zecken oft an Haaransatz, Hals und hinter den Ohren

 

 

 

Je jünger die Zecke, umso niedriger liegt auch ihr Lebensraum. Die geschlüpfte Larve befällt vorwiegend Wirte in den bodennahen Krautschichten: Mäuse und Ratten. Von diesen Nagern übernehmen sie bei der ersten Blutmahlzeit den uns krankmachenden Erreger und geben ihn bei der nächsten Blutmahlzeit weiter.

Als weiterentwickelte Nymphe sucht die Zecke ihren nächsten Blutspender schon bis in einer Höhe von 40 Zentimetern. 80 Prozent aller am Menschen gefundenen Zecken sind Nymphen.

Erwachsene finden sie meistens in Kniekehlen, am Bauchnabel oder an den Genitalien. Bei Kindern stecken sie oft am Haaransatz, am Hals und hinter den Ohren. Nur erwachsene Zecken erkrabbeln sich Büsche und Sträucher bis 1,20 Metern.


Zecken leben nicht nur im Wald

Man trifft sie überall da, wo Mäuse, Ratten und Igel durchziehen und höher gewachsene Tiere – Katze, Hund, Pferde, Weidevieh, Rehwild, Vögel – als Wirt und Transportmittel dienen: in
Parks und privaten Gärten, auf Schwimmbadwiesen und Spielplätzen, in Auwäldern und auf feuchten Wiesen. Zugvögel verbreiten die Plagegeister auf allen Kontinenten.
Die idealsten klimatischen Bedingungen finden Zecken im Mai und Juni sowie im September und Oktober. In dieser Zeit ist das Risiko am größten, der Zecke als Wirt wider Willen dienen zu müssen. In heißen Sommern verstecken sich Zecken, um nicht auszutrocknen. Regenreiche Sommertage hingegen oder gar ein verregneter Sommer mit hoher Luftfeuchtigkeit verlängern die Zecken-Saison. Doch selbst an milden Wintertagen über 7 Grad Celsius können Zecken erstaunliche Aktivität entwickeln.

Von einer Zecke gestochen

Im Gegensatz zu den FSME-Viren, die bei Kontakt mit menschlichem Blut sofort in die Blutbahn des Menschen übergehen, bleiben die Borrelien vorerst im Darm der Zecke. Es ist unerforscht, wie schnell eine Übertragung der Borrelien erfolgt. Daher soll man eine Zecke unverzüglich entfernen.

Richtige und falsche Methoden

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Zum Entfernen der Zecke möglichst nah an der Einstichstelle die Zecke packen und den dübelartigen Stechapparat gerade nach oben herausziehen

So genannte „Zeckenzangen“ eignen sich oft wegen ihrer dicken Plastikbacken nur dazu, den Zeckenleib zu quetschen und den Zeckeninhalt sogar in die Wunde einzuspritzen. Die Finger sind ebenfalls zu klobig. Falsch ist es, die Zecke mit Öl, Klebstoff, Nagellack, Wasser oder Zigarettenhitze zum Abfallen zu bewegen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich Zecken unter

Überlebensstress erst recht in die Stichwunde entleeren. Wirkungsvoller und sicherer ist eine gut schließende spitze Pinzette, die direkt auf der Haut angesetzt werden kann. Keine Pinzette zur Hand? Es geht auch mit einem Taschenmesser, das wie ein Skalpell unter die Zecke geschoben wird. Immer dabei haben kann man eine Zeckenkarte mit Schlitzen, ein Scheckkartenähnliches Werkzeug, das in die Geldbörse passt. Es geht auch mit einer Schlinge aus Zahnseide oder Haar, die unter der Zecke zugezogen wird. Neu ist eine Drahtschlinge in der Art eines Nadeleinfädlers, der auch winzige Zecken hautnah packt. Reißt die Zecke ab, kann man den Stechapparat vom Arzt entfernen lassen. Er fällt aber meist von alleine heraus.


Links oder rechts herum drehen ?

Zecken haben kein Gewinde sondern einen dübelartigen Stechapparat, der nach oben herausgezogen werden muss.

Wie schützt man sich vor Zecken?

Wer als Wanderer, Walker oder Jogger auf Wegen bleibt und die Berührung von Grünpflanzen jeder Art vermeidet, ist sicher vor Zecken.

Kleidung

Selbst im Hochsommer mit bein- und armbedeckenden Kleidungsstücken herum zu laufen oder Kinder einzumummeln ist ziemlich unrealistisch. Trotzdem sieht man Zecken auf heller, unifarbener Kleidung besser. Je glatter der Stoff ist, desto schlechter können sie sich festkrallen. Durch weitmaschiges Strumpfwerk schlüpfen sie mühelos. Haare an den Beinen bieten ihnen Sichtschutz.

Zecken-Abwehrmittel

Es existieren unterschiedliche Wirkstoffe. Gleich ist allen, dass sie in der Regel nur halb solange wirken, wie auf der Packung steht, entlarvte die Stiftung Warentest. Abwehrmittel verführen zu trügerischer Sicherheit. Absuchen muss man sich trotzdem. Repellents für Haustiere enthalten häufig krebsfördernde Inhaltsstoffe und sind für Menschen ungeeignet. Knoblauchduft beeindruckt Zecken nicht.

Körper absuchen

Typische Verstecke sind Kniekehlen, Achseln, Armbeugen, Haaransatz, Ohren, Hals, Brustfalten, Genitalien, Füße, Zehen. Duschen allein nützt nichts. Zecken können viele Stunden
unter Wasser überleben.

Kleidung absuchen

Zecken überleben bis zu drei Tage in abgelegter Kleidung. Wer die gleiche Hose noch einmal anziehen möchte, sollte sie eine Viertelstunde in den Trockner geben; davon sterben Zecken ab.

Haustiere und Streichelzoos

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Achten Sie bei Haustieren auch auf noch herumkrabbelnde Zecken

Nicht die bereits saugenden Zecken an Hund, Katze und anderen Haustieren stellen eine Gefahr für den Menschen dar, sondern Zecken, die noch suchend im Fell herumkrabbeln und beim Streicheln oder Bürsten den Wirt wechseln. Ähnliches kann in einem Streichelzoo passieren. Dagegen nützt nur gründliches Absuchen am Abend.
Wer Haustiere ins Bett lässt, muss sich der Gefahr bewusst sein, dass eine Zecke die unbehaarte Haut des Menschen bevorzugt.

Sind Zecken da ?

Man nehme ein weißes Frottiertuch und ziehe es über Gräser und Büsche. Anwesende Zecken verhaken sich im Frottiergewebe. Dieser Test funktioniert aber nur bei idealem Zeckenwetter, wenn es nicht zu heiß ist, zwischen 15 und 20 Grad, und nicht, wenn es gerade regnet.


Wie dezimiert man Zeckenbefall?

Wichtig ist, Mäuse, Ratten und andere Reservoirtiere fernzuhalten. Abfallkörbe auf Spielplätzen und Liegewiesen müssen so angebracht werden, dass sie von Mäusen nicht erklettert werden können. Keine Essensreste in Abfallkörbe und auch nicht auf den Komposthaufen. Im Garten hilft es, das Gras kurz zu halten. Kein Vogelfutter auf dem Boden ausbringen.

Welche Beschwerden können auftreten?

Weil jede Zecke einen eigenen Erreger-Mix in sich tragen kann und damit auf ein individuelles Immunsystem trifft, äußern sich auch die Beschwerden so vielfältig, dass Arzt und Patienten irritiert sein können und manchmal auf eine falsche Fährte gelockt werden.

Im Frühstadium

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Die Rötung ist nicht immer rund

Nach der Schulmedizin kann eine Rötung um den Stich etwa 1-3 Wochen nach der Infektion auftreten. Dabei kann es sich um einen wenige Zentimeter bis handtellergroßen runden oder länglichen Fleck handeln oder um einen Ring, der sich konzentrisch vergrößert. Heute wissen wir, dass nur 50 Prozent der Infizierten diese spezifische Rötung ausbilden, die meist auch ohne Therapie verschwindet, was aber nicht immer mit einer Heilung gleichzusetzen ist. Diese Hauterscheinung muß von der “normalen“ Reaktion nach einem Insektenstich unterschieden werden. Weiterhin berichten Betroffene nach ein paar Tagen eine Art leichte Sommergrippe mit Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Auch das kann ein Zeichen einer Infektion sein. Diese Beschwerden vergehen in der Regel auch ohne Behandlung. Auch das ist kein sicherer Beweis für eine spontane Heilung.

Im Spätstadium

Bei der Borreliose scheint es an Symptomen nichts zu geben, was es nicht gibt. Das macht es Arzt und Patient so schwer, sich auf eine Diagnose festzulegen, zumal wenn man die Zecke nicht bemerkt hat.

Mögliche Symptome, die mit einem Spätstadium in Verbindung gebracht werden: Gelenkschmerzen, Nachtschweiß, Erschöpfung, Schmerzen an Muskeln, Sehnen, Bändern und Nerven (Fibromyalgien), Sehnenscheidenentzündungen, Gelenksteifigkeit, Hautentzündungen, Rückenschmerzen, Sensibilitätsstörungen, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühle, Lähmungen, Sprech- und
Wortfindungsstörungen, Augenentzündung, Doppelbild-Sehen, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Lichtempfindlichkeit und mehr.

Damit sind auch Fehldiagnosen nicht selten: Gelenkrheuma, Arthritis, Multiple Sklerose, Fibromyalgie, Depression, Bursitis, Thrombose, Karpaltunnelsyndrom, Bindehautentzündung und andere.

Diagnosestellung Borreliose

Am sichersten wird die Verdachtsdiagnose einer Borreliose gestellt, wenn einige Tage bis Wochen vor den klinischen Symptomen ein Zeckenstich erinnerlich ist. Häufig aber führen erst scheinbar unerklärliche Symptome auf den Verdacht einer Borreliose hin.

Antikörper-Suche

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Vielfältige Beschwerden können auftreten

Im Blut selbst findet man in der Regel keine Borrelien, sondern Antikörper, die unser Immunsystem beim Erkennen und Bekämpfen von fremden Erregern bildet. Dazu braucht es meist vier bis sechs Wochen Zeit. Wenn der Arzt die Antikörper früher testet, ist es möglich, dass man als negativ gewertet wird, weil sich noch keine Antikörper gebildet haben. Außerdem muss man wissen, dass alle auf dem Markt befindlichen Antikörper-Tests nicht standardisiert sind. Mit dem gleichen Blut kann man in einem Labor hochpositiv und in
einem anderen negativ ausfallen.
Was für die Diagnose wirklich zählt, ist ein Mosaik aus Zecken-Erlebnis, Beschwerden und dann erst der Labortest mit der nötigen
Skepsis. Ein negativer Test schließt eine Borreliose nicht aus. Auch ein positiver Test ist nicht grundlegend beweisend für eine Borreliose.

Der Begriff „Titer“ kennzeichnet die Konzentration bestimmter Antikörper im Blut, die Borrelien vernichten können. Weil unser Immunsystem etwas träge reagiert und Borrelien sich ständig verändern, kann es passieren, dass man in einem frühen Labortest negativ getestet wird, obwohl entsprechende Beschwerden und der Erreger vorhanden sind. In diesem Fall sollte der Test nach etwa zwei bis drei Wochen wiederholt werden. Ein negatives oder unklares Ergebnis im Antikörper-Suchtest sollte, besonders wenn Beschwerden vorliegen, mit einem genaueren Test (Blot) geklärt werden. Auch er ist Kassenleistung, wenn ihn der Arzt anordnet.

Was bedeuten IgM und IgG

Antikörper vom Typ IgM gelten als frühe Abwehr. Als zweite Reaktion bewaffnet sich das Immunsystem mit effizienteren IgG-Antikörpern. Ob der Nachweis im Labor positiv ist, hängt davon ab, ob das Immunsystem in der Lage war, ausreichend Antikörper zu bilden und ob der Labortest in der Lage war, diese Antikörper zu erkennen. Auch nach einer antibiotischen Therapie können sich noch Antikörper bilden; gelegentlich bleiben die IgMAntikörper gegen Borrelien wie auch die IgG-Antikörper noch über Jahre nachweisbar. Antikörper alleine sind kein Anlass für eine Therapie.

 

Therapie der Borreliose

Bis auf eine kleine Studie mit chronischen Borreliose-Patienten finden in Deutschland keine Studien statt. Aber es gibt Leitlinien der Deutschen Borreliose-Gesellschaft, die sich Ärzte und Patienten kostenlos abrufen können. (www.borreliose-bund.de). Danach ist die Wanderröte das absolute und sofortige Muss für eine antibiotische Therapie, noch vor einem Antikörper-Test und egal, wie er ausfällt.

Therapie in der Frühphase

Als sinnvoll hat sich die Einnahme des Wirkstoffs Doxycyclin über wenigstens vier Wochen, bei bestehender Wanderröte auch länger, in einer Tagesdosis von 400 Milligramm für Erwachsene erwiesen. Für kleine Kinder gibt es Antibiotika in Saftform.

Während der Einnahme von Doxycyclin sollte man intensive Sonnenbestrahlung vermeiden, das Haus bevorzugt mit Sonnenschutz
verlassen sowie bis zwei Stunden vor und nach der Einnahme weder Milchprodukte noch Mineralwässer mit starkem Calzium- oder Magnesiumgehalt zu sich nehmen. Sie könnten die Wirksamkeit des Medikaments herabsetzen.

Therapie in der Spätphase

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Antibiotika per Infusion

Auch bei spät entdeckter aktiver Borreliose ist eine antibiotische Therapie noch wirksam. Die vorliegenden klinischen Symptome
entscheiden über die Art des Medikaments, die Einnahmeform und die Dauer der Gabe. Als Mittel der ersten Wahl gilt Ceftriaxon
über zwei bis vier Wochen als tägliche Infusion. Es existieren Alternativen mit anderen Wirkstoffen, in Kombinationen, gepulste Therapien, auch mit Tabletten.

Muss es ein Antibiotikum sein?
Es gibt derzeit keine gesicherte Alternative. Obwohl das Internet von Alternativ-Therapien überquillt, wird kein Arzt die Verantwortung dafür übernehmen können. Der Patient jedoch kann die antibiotische Therapie durch Änderung seiner Lebensführung optimieren. Dies geschieht durch gesunde Ernährung ohne Konservierungsstoffe, ohne Alkohol und Tabak, durch seelische Hygiene, ausreichend Schlaf und Ausdauersport zu Fuß, Rad oder im Wasser.

Bestehen Symptome nach der antibiotischen Behandlung fort oder kommen sie wieder, müssen Diagnose und Therapie überprüft werden. War die Therapie zu kurz? War das Medikament hoch genug dosiert? Gab es Einnahmefehler? Wäre ein anderes Antibiotikum wirkungsvoller gewesen? Hatte das Immunsystem alle Chancen mitzuwirken? Wiederholte Antibiotika-Therapien verbessern die Situation nicht immer, aber doch bei etlichen Patienten.
Die stark vereinfachte Darstellung der AWMF-Leitlinie „Neuroborreliose“ von 2018 basiert überwiegend auf Studien aus den USA und berücksichtigt weder europäische Patientenerfahrungen noch die Behandlungsempfehlungen der Deutschen Borreliose-Gesellschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… Ratgeber lesen (PDF)

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