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Infektionen bei Asthma und COPD

Artikel aus der Zeitschrift Patienten-Bibliothek / Atemwege und Lunge – Herbst 2018
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Erfahrungen
Wie kann ich selbst gut für mich sorgen?

444-20180702_161437-1-1-300x218 Infektionen bei Asthma und COPDBeate Krüger aus Hamburg ist Asthma- und COPD-Patientin (sogenannte Mischform, abgekürzt als ACOS bezeichnet) und benötigt eine Dauertherapie mit einer nicht-invasiven Beatmung (NIV). Als Mitglied des Patientenbeirates der Patienten-Bibliothek liegen Beate Krüger besonders die Aufklärung und die Information über schwierigere Themen am Herzen.
Infekte sind ein solches Thema. Instinktiv verdrängt jeder lieber die unguten Erinnerungen und Gefühle, die sich bei dem Gedanken an den letzten Infekt einstellen. Infekte können jedoch maßgeblich dazu beitragen, dass sich chronische Lungenerkrankungen deutlich verschlechtern.

Umso wichtiger also, selbst aktiv zu werden und präventiv zu handeln, um Infekte möglichst zu vermeiden. Beate Krüger berichtet von ihren ganz eigenen Erfahrungen.

Hinweis: Lesen Sie auch den Beitrag „Ängste nehmen, Vorbehalte reduzieren – Mein Leben mit einer nicht-invasiven Beatmung“ von Beate Krüger in der Frühjahrsausgabe der Patienten-Bibliothek – siehe www.Patienten-Bibliothek.de.

Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Infekten oder den „typischen Verkühlungen“, die zunächst meist die oberen Atemwege betreffen, gemacht?

Immer mal wieder habe ich plötzlich das Gefühl, dass mich eine Erkältung erwischt hat.
Ich reagiere dann sofort und trinke heißen Tee, gerne mit Thymian und Ingwer, lutsche Salbei– und Pfefferminzbonbons oder Halsschmerztabletten, je nach Beschwerdebild.
Ich inhaliere bei Bedarf mit Kochsalzlösung, gönne mir viel Ruhe und trinke sehr viel.
So schaffe ich es doch hin und wieder, die vermeintliche „Verkühlung“ zu verscheuchen oder das Schlimmste, nämlich eine Infektion der unteren Atemwege, zu verhindern.
Wir sollten immer versuchen, so gut wie möglich für uns zu sorgen!

Leider kann eine zunächst harmlose Erkältung für uns Lungenerkrankte schwere Folgen für die unteren Atemwege, also die Bronchien und die Lunge, haben! Eine akute Bronchitis oder sogar Lungenentzündung kann sich entwickeln.

Jede noch so kleine Erkältung sollten wir also ernst nehmen und versuchen, durch rechtzeitige Behandlung deren Ausmaß zu minimieren. Auch sollte niemand die Scheu haben, bei Bedarf den Arzt zu konsultieren.

Wie schwer ist es, eine „harmlose“ Infektion von einer möglichen akuten Verschlechterung der Gesamtsituation der chronischen Lungenerkrankung zu unterscheiden?
Eigentlich ist es für uns Betroffene nicht schwierig, eine Verschlechterung zu erkennen, denn es geht uns dabei wirklich furchtbar schlecht. Neben den uns allen bekannten Symptomen einer Infektion wie Gliederschmerzen, Fieber, Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Ohrenschmerzen
etc. verstärken sich Atemnot und körperliche Schwäche. Wir haben den Eindruck, an dem vermehrten Schleim, der sich durch die Infektion bildet, fast zu „ersticken“, da sich dieser meist nur schwer abhusten lässt.

Jeder Hustenanfall bedeutet Schwerstarbeit und gibt uns das Gefühl, es „zerreißt“ die Lunge. Hinzu kommt die Angst, die uns begleitet, da wir wissen, dass jeder Atemwegsinfekt den momentanen Gesundheitszustand unserer Lunge möglicherweise unwiederbringlich verschlechtern kann.

In einer solchen Situation ist es besonders wichtig, den guten Gesprächskontakt mit dem behandelnden Lungenfacharzt – der hoffentlich bereits in der Vergangenheit aufgebaut werden konnte – zu haben und zu halten. Denn der behandelnde Arzt muss die akute Situation, auch in Zusammenhang mit der individuellen persönlichen Gesamtsituation der Erkrankung, richtig einschätzen können, um letztendlich eine Entscheidung zu treffen, ob eine Antibiotikatherapie und/oder die Gabe von Cortison notwendig, ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich oder die häusliche Versorgung ausreichend sind.

Während einer Rehabilitationsmaßnahme im Jahr 2014 habe ich selbst aufgrund einer schweren Virusinfektion die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, dass der betreuende Arzt über die detaillierte aktuelle Erkrankungssituation ausreichend informiert ist. Mit der Virusinfektion ging es mir täglich schlechter, es entwickelte sich hohes Fieber und schmerzhafter Husten. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr atmen zu können, konnte vor Schwäche nicht mehr stehen und bat um Verlegung in ein Akutkrankenhaus.
Die Chefärztin der Rehaklinik war sich jedoch zunächst sicher, dass sich mein Zustand unter Gabe eines Antibiotikums bessern würde, was nicht der Fall war. Erst das Drängen meines Bruders löste eine Verlegung auf die Intensivstation einer Lungenklinik aus, wo ich kurze Zeit später in ein CO2-Koma fiel. Eine deutliche Überlastung der Atemmuskulatur, einhergehend mit einem erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut wurde festgestellt und die Einleitung einer nicht-invasiven Beatmung notwendig.

Mit dieser Schilderung möchte ich keineswegs Ängste schüren, vielmehr möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es bei einem Infekt immer auch um die Gesundheit Ihrer Lunge geht und im fortgeschrittenen Stadium einer Lungenerkrankung auch um Ihr Leben!

• Jede Erkältung, jede Verschlechterung sollte ernst genommen werden.
• Ein gutes Vertrauensverhältnis sollte zum behandelnden Lungenfacharzt aufgebaut werden, so dass dieser stets über die Entwicklung der Erkrankung und die aktuelle Gesundheitssituation informiert ist und ggf., wie z. B. während einer Notsituation, hinzugezogen werden kann.
• Ohne Scheu und eindringlich genug sollte bei einer sich deutlich verschlechternden Symptomatik der Lungenfacharzt informiert, ggf. der Hausarzt um einen Besuch gebeten oder ein Notarzt gerufen werden.

Worauf achten Sie heute besonders, um Infekten möglichst vorzubeugen? Welche potenziellen Infektquellen meiden Sie?

Vor allem meide ich Kontakte zu erkälteten Personen und ebenso zu Menschenansammlungen.

Da ich in einem Pflegeheim lebe, vermeide ich während der Herbst- und Wintermonate fast jeglichen Kontakt im Haus. In einem Pflegeheim leben naturgemäß ältere und/oder chronisch kranke Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, was grundsätzlich die Infektionsgefahr erhöht. Eine hohe Wahrscheinlichkeit sich gegenseitig anzustecken, ist also naheliegend.

Diese Maßnahme bedeutet für mich zwar eine „selbstauferlegte Einzelhaft“ und der Verzicht auf die persönlichen Kontakte fällt mir äußerst schwer, aber sie schützt mich vor möglichen Infektionen, die in meinem Krankheitsstadium lebensbedrohlich werden können.

Seit Jahren verzichte ich konsequent auf das Händeschütteln, genauso wie auf das „Küsschen“ geben. Eine freundliche und liebevolle Begrüßung klappt jedoch auch mit netten Worten und mit einem herzlichen Blickkontakt.

444-20180702_161437-1-1-300x218 Infektionen bei Asthma und COPDMeine Nasenschleimhaut halte ich mit Pflegespray oder Nasenduschen immer feucht und geschmeidig, so dass Viren oder Bakterien nicht so leicht „andocken“ können. Beheizte Räume fördern in der kalten Jahreszeit eine
trockene Raumluft und somit trockene rissige Nasenschleimhäute, ein idealer Nährboden für Keime.

Für die Befeuchtung der Schleimhäute auch in den unteren Atemwegen kann beispielsweise ein Vernebler mit
einer Salzlösung eingesetzt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Meine Hände wasche ich mir oft und sehr gründlich. Ich benutze Händedesinfektionsmittel, die sowohl gegen
Bakterien als auch Viren wirksam sind. Insbesondere unterwegs werden oft Gegenstände berührt, auf denen sich zahlreiche Krankheitserreger tummeln, etwa auf Türklinken, an Fahrstuhlknöpfen oder Geländern, auch Geldscheine oder Münzen beim Bezahlen im Supermarkt oder im Café sollten nicht vergessen werden. Für unterwegs nutze ich zur Händedesinfektion eine kleine 100 ml-
Flasche, für die Anwendung zu Hause ist eher eine größere 500 ml- Flasche geeignet.

Bevor meine nicht-invasive Beatmung 24 Stunden notwendig wurde, habe ich sehr oft einen Mund-Nasenschutz getragen, den ich für extrem wichtig und zudem sehr effektiv halte. Den Mundschutz hatte ich in jeder Tasche griffbereit dabei und habe ihn im Supermarkt, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Wartezimmer des Arztes usw. eingesetzt. Oft wurde ich deshalb mit verwunderten Blicken konfrontiert und es wurde Abstand gehalten. Wohl aus der Sorge resultierend, dass von mir eine vermeintliche Ansteckungsgefährdung ausgehen könnte.

Ein Mundschutz mag auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken, ist jedoch sehr effektiv.

Anfangs habe ich versucht, das Tragen des Mundschutzes beispielsweise im Wartezimmer anderen Patienten zu erklären. Doch ich hatte oft den Eindruck, dass es scheinbar kaum jemanden interessiert. Möglicherweise war dies jedoch nur Ausdruck einer Unsicherheit, nicht zu wissen, wie man mit dieser Situation umgehen soll.

Die nicht-invasive Beatmung macht den Einsatz eines Mundschutzes bei mir nun überflüssig. Bei der NIV wird die Luft durch das Gerät, über den Schlauch und die Maske direkt in meine Lunge transportiert, ein Bakterienfilter im Gerät soll daher für mehr Sicherheit sorgen. Ergänzend nutze ich einen weiteren Filter, der zwischen Schlauch und Maske gesteckt werden kann.

Ich habe mir angewöhnt, mein Gesicht nur mit wirklich „sauberen“ Händen zu berühren, denn Augen, Mund und Nase sind die Eintrittspforten für Keime. Bin ich unterwegs, bin ich bemüht, mein Gesicht gar nicht zu berühren. Sollte es doch einmal nötig werden, verwende ich ein sauberes Taschentuch.
Essen unterwegs erfolgt nur unter Einsatz eines Bestecks, Brötchen fasse ich mit einem sauberen Papiertuch an. Bevor ich „mal eben“ ein Bonbon in den Mund stecke, desinfiziere ich mir die Hände oder nehme das Bonbon direkt aus dem Papier.

Bekomme ich Besuch, bitte ich meine Gäste nach dem Eintreten, die Hände zu waschen oder zu desinfizieren.

Vielleicht hören sich die geschilderten Strategien zur Vermeidung von Infekten für den einen oder anderen übertrieben oder kompliziert an. Doch ich versichere Ihnen, mit etwas „Übung“ werden diese Vorsichtsmaßnahmen schnell zur Selbstverständlichkeit und zur Routine.

Passen Sie auf sich auf und sorgen Sie gut für sich! Uns sollte nichts peinlich oder unangenehm sein, denn bedenken Sie, es geht immer um die Erhaltung der eigenen Gesundheit.

 

 

 

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